„Es geht um die Prozesse“
Im Februar 2010 wurde im norddeutschen Varel das Machining Innovations Network (MIN) gegründet. Ziel der Mitglieder ist die Entwicklung und Ersterprobung neuer Technologien und Verfahren unter anderem für die den Bereich Aerospace. Klaus Winkler, Vorsitzender der Geschäftsführung des Nürtinger Werkzeugmaschinenherstellers Heller sagt aerotec, warum sein Unternehmen bei MIN mitmacht.
Was war für das Unternehmen Heller die Hauptmotivation, Machining Innovations Network beizutreten?
Zunächst zählen wir im Zerspanungsbereich sicher mit zu den Technologieführern und können so auch unseren Beitrag zu Verfahrensinnovationen beitragen. Außerdem genießt die praxisorientierte Forschung im Hause Heller einen hohen Stellenwert. So pflegen wir in Forschungsteams ständigen Kontakt beispielsweise mit den Universitäten Hamburg, Hannover oder auch Magdeburg. Dort stehen auch unsere Maschinen zu Versuchzwecken. Es ist deshalb eine logische Konsequenz, sich einer Initiative im Norden Deutschlands – auch durch unsere Kontakte zu Airbus – anzuschließen, die fachliche Impulse bei künftigen Anforderungen im Flugzeugbau oder auch in anderen Branchen setzen wird.
Haben Sie keine Probleme damit, mit ihren Wettbewerbern in einem Boot zu sitzen?
Ihre küstennahe Metapher greife ich gerne auf: Vielleicht finden auch Einzelkämpfer auf dem Wasser das Ziel. Gemeinsam, geordnet und im Team wird das Ziel jedoch sicherer erreicht. Viele unserer Marktbegleiter liefern exzellente Lösungen. Um es kurz zu machen: Ein fairer Wettbewerb spornt an und davon profitieren neben unseren internationalen Anwendern auch wir. Unabhängig davon geht es ja nicht nur um Werkzeugmaschinen, sondern um die Prozesse. In der Luftfahrt sitzt die Kompetenz zwar bei den Anwendern, aber in der Titanbearbeitung war Heller hinsichtlich Maschinen- und Prozesstechnologie von Anfang an vorne mit dabei.
Man will unter anderem Innovationszyklen verkürzen sowie schneller eine wirtschaftliche Umsetzung erreichen. Wie soll das gehen?
Wirtschaftlich erfolgreich ist, wer sich auf die Wertschöpfung konzentriert und entlang der gesamten Prozesskette Kosten reduziert. Das heißt, nur wenn wir die spezifischen Anforderungen und Ziele unserer Anwender kennen, können wir wirtschaftlich vertretbare Lösungen entwickeln. Hier ist das Zusammenspiel von Maschine, Werkzeug, Vorrichtung, Prozess, Logistik, Strategie und Kostenvermeidung entscheidend. Um das zu erreichen, ist ein offener und konstruktiver Dialog zwischen Anwendern, Lieferanten und Entwicklern notwendig.
Inwieweit verspricht sich Heller, neue Erkenntnisse auf andere Anwendungsbereiche übertragen zu können?
Das Machining Innovations Network versteht sich als Basis, die Zerspanung – geometrisch bestimmt und unbestimmt – vorwärts zu bringen. Es ist nicht wichtig, ob sich der Span für ein Luftfahrt-, Automobil- oder Medizintechnikteil vom Rohteil trennt. Das heißt, dieses Netzwerk ist zwar rund um die Premium AEROTEC GmbH gegründet worden, beschäftigt sich aber grundsätzlich mit innovativer Zerspanungstechnologie. Und die wird sowohl im Maschinenbau, im Windenergieanlagenbau sowie in der Schiffs- und Automobilindustrie oder auch in der Medizintechnik benötigt. Durch die Möglichkeit unserer modularen Standards versprechen wir uns so auch den Zugang zu neuen Märkten.
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