„Möge die Übung gelingen”

Wer hätte das gedacht: Die Europäische Union nimmt die gute alte Glühbirne vom Markt. Sie gilt als Energieverschwender und als nicht zukunftsfähig. Der Strahlkraft des Symbols tut das jedoch keinen Abbruch: Der Inbegriff für die Geburt von Ideen, für Innovation schlechthin, bleibt die auf Knopdruck hell strahlende Glühbirne. Oder können Sie sich `Helferlein´, den Assistenten der ingeniösen Walt Disney-Figur ‚ Daniel Düsentrieb`, mit einer Sparfunzel anstelle der 100 Watt-Birne als Kopf vorstellen? Eben.

Von ausgeprägter Strahlkraft zeigt sich auch die Leistungsfähigkeit der deutschen Aerospace-Entwicklungsdienstleister – noch. Denn wenn es den überwiegend mittelstandsgeprägten Unternehmen nicht gelingt, sich zu schlagkräftigeren, größeren Einheiten zu verbünden, droht die Abschaltung vom Markt durch den strategisch bereits heute besser aufgestellten Wettbewerb. Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sorgt sich bereits ernsthaft um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit speziell der deutschen Ingenieurdienstleister. Und er handelt: Weil sich OEMs zunehmend als Architekten und Systemintegratoren definieren, Wertschöpfungsinhalte neu bestimmt und Lieferantenbeziehungen auf den Prüfstand gestellt werden, soll die neue BDLI-Plattform Ingenieur-Dienstleister (ID) jetzt Kräfte bündeln und die Position der ID nachhaltig stärken. Was auf dem Spiel steht, bringt BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick im aerotec-Exklusivinterview auf den Punkt: „Wenn wir in Deutschland keine hochwertigen Engineering-Arbeiten durchführen, werden wir auch keine hochwertige Fertigung mehr besitzen.” Und Hartwig Dirscherl, der Vorsitzende der neuen BDLI-Plattform, fordert unmißverständlich: „Flugzeug-Entwicklungskompetenz muss generell in Deutschland bleiben.”

Da bleibt nur zu wünschen: „Möge die Übung gelingen!” Der Spruch stammt übrigens aus dem Land, in dem jetzt der erste außerhalb Europas gebaute Airbus A320 seinen Erstflug hatte: Aus China.

Christian Klein

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