„Mut zur Internationalisierung“

Auch der internationale Flugzeugbau hat die weltweite Krise noch nicht überwunden. Dennoch vermeldete das International Suppliers Center ISC auf der Berliner ILA in diesem Jahr einen Aussteller-Ansturm. Aerotec-Redakteur Christian Klein lotete mit BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick im Vorfeld des Berliner Messe-Ereignisses die Befindlichkeit der Branche aus.

Das ISC erlebt derzeit einen Boom. Woran liegt das? Was sind die nachfragestärksten Themen?
Wir waren bei der Erstveranstaltung im Rahmen der ILA 2008 bereits überrascht vom hohen Ausstellerinteresse. Trotz der seit 2009 angespannten Wirtschaftslage, die auch an unserer Branche nicht spurlos vorbeigeht, registriert das International Suppliers Center (ISC) für die diesjährige ILA bereits einen Höchststand an Anmeldungen.

Konkret verzeichnen wir Stand heute mit rund 250 Ausstellern aus 16 Ländern einen Ausstellerzuwachs von über 60 Prozent gegenüber 2008. Interessant ist, dass in etwa die Hälfte der Aussteller aus dem Ausland stammt. Erstmals sind auch Unternehmen aus Belgien, Finnland, Indien, Japan, Singapur, Taiwan und Tunesien dabei. Bemerkenswert ist auch das deutlich gestiegene Interesse der die Zulieferindustrie vertretenden Verbände, unter anderem aus England, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Singapur, Spanien, Taiwan, Tunesien und Ungarn.

Ein weiteres wichtiges Element des ISC-Gesamtangebots ist das in die Messehalle 11 integrierte ISC-Forum. Hochkarätige Experten beantworten hier Fragen von Ausstellern und Fachbesuchern zu aktuellen Themen der gesamten Supply Chain. Gleichzeitig wird dort den ISC-Ausstellern die Möglichkeit eingeräumt, ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. Neu bei der ILA 2010 ist der International Buyers’ Day, ein spezieller Einkäuftertag der internationalen OEMs.

Ein weiteres wichtiges Element ist das ISC-Forum. Hochkarätige Experten beantworten hier Fragen von Ausstellern und Fachbesuchern zu aktuellen Themen der gesamten Supply Chain. Gleichzeitig wird den ISC-Ausstellern dort die Möglichkeit eingeräumt, ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. Vorträge und Podiumsdiskussionen zu Themen wie Globalisierung der Ausrüstungsindustrie, Clusterinitiativen in Europa, Finanzsupport für KMUs oder neue Regelungen in der Qualitätssicherung stehen dort auf dem Programm.

Sie fragten nach dem Erfolgsrezept: wir haben mit dem ISC einem Grundbedürfnis der gesamten Luft- und Raumfahrtindustrie entsprochen – eine Augenhöhenplattform für die direkte Kommunikation der internationalen Ausrüster und Systemfirmen und für all deren Themen zu schaffen.

Der International Buyer´s Day> ist ein Novum des ISC. Wie ist die Resonanz auf den Byers’ Day bisher?
Unser internationaler Einkäufertag wurde sofort hervorragend angenommen. Am 9. Juni werden wir mit diesem Konzept exklusiv den ISC-Ausstellern direkte B2B-Gespräche mit den Einkäufern führender internationaler OEMs und 1st Tier Suppliern ermöglichen. Rund 60 hochkarätige Procurement-Spezialisten von OEMs und 1st Tier-Suppliern haben bereits einen Besuch des ISC auf der ILA 2010 angekündigt.

Mittels einer internetbasierten Matchmaking-Plattform werden diese B2B-Gespräche als Service für unsere Aussteller bereits im Vorfeld der Messe terminiert. Eröffnet wird der International Buyers’ Day mit einer hochkarätig besetzten Veranstaltung zum Thema „Best Value Country Sourcing – successful global sourcing approaches“.

Der International Buyers’ Day wird am späten Nachmittag abgerundet durch eine gemeinsame Spreefahrt der Einkäufer und der ISC-Aussteller, die weitere Möglichkeiten zu vertiefenden Gesprächen bietet. Gerade dieses neue Kommunikationselement findet großen Anklang bei den Industrievertretern und wird auch künftig ein wesentlicher Bestandteil des ISC-Angebots sein.

Die deutschen Luftfahrtzulieferer wurden vielfach aufgefordert, Allianzen und Arbeitsgemeinschaften zu bilden. Gibt es da noch Nachholbedarf oder ist das Optimum an Clustern nun schon erreicht oder gar überschritten?
Es gibt in Deutschland zahlreiche Cluster, die Schlüsseltechnologien und –kompetenzen der deutschen Wirtschaft stützen. Das ist auch gut. Die meisten Cluster sind in erster Linie standortpolitisch und regional motiviert. Viele der in ihnen und in regionalen Verbänden organisierten Mittelständler sind nur zu einem Teil im Umfeld der Luft- oder Raumfahrt tätig und arbeiten schwerpunktmäßig in anderen Branchen.

Wir als Bundesverband koordinieren das optimale Ineinandergreifen unserer Arbeit mit den Projekten und Initiativen der in Deutschland existenten Regionalverbände. Dazu kanalisieren wir luft- und raumfahrtbezogene Aktivitäten der Regionen und Regionalverbände über das BDLI-Regionalforum. So schaffen wir Synergien und vermeiden überflüssige Themenkonkurrenz.

Was wir für den industriellen Mittelstand benötigen, sind effiziente Netzwerke, die im Sinn der internationalen Wettbewerbsfähigkeit funktionieren.

Was macht der BDLI diesbezüglich?
Über unsere eigene Messeplattform ILA und das Industriethema ISC haben wir ja bereits ausgiebig gesprochen. Ich habe auch das Networking im Sinn einer industriellen Fähigkeitsbündelung kurz angesprochen, für uns als Verband der Großen und kleinen Unternehmen ein zentrales Thema.

Ein Beispiel dafür ist das aus einer unserer Arbeitsgruppen hervorgegangene BDLI Netzwerk Cabin/Cargo, durch das wir deutsche KMU im Bereich Kabine und Fracht in die Lage versetzen, sich gemeinsam als Kompetenznetzwerk für die OEMs des globalen Markts anzubieten. Mit Ausschlag gebend dafür war die Entscheidung unseres Mitgliedsunternehmens Diehl, den früheren Airbus-Standort Laupheim und Dasell zu übernehmen und so die industrielle Basis für umfassende Kabinenbaukompetenz in Deutschland zu schaffen. Unser Mitgliedsunternehmen Airbus ist in diesem Netzwerk sowohl Mitinitiator als auch ein Kunde. Erster internationaler Auftritt dieser Initiative wird die Aircraft Interiors Expo 2010 im Mai dieses Jahres in Hamburg sein.

Ein weiteres Beispiel ist das BDLI-Netzwerk Engineering-Dienstleister, das wir aus einer Arbeitsgruppe unseres Verbands entwickelt haben. Dort bündelt die jüngste und 2009 am stärksten wachsende BDLI-Mitgliedergruppe der Ingenieurdienstleister ihre Kräfte, um im Wettbewerb –speziell mit ihren französischen Konkurrenten, die weitaus größer und im Vergleich auch weitergehender konsolidiert sind – wahrgenommen zu werden und konkurrenzfähig zu sein.

Auch mit der Gründung von Premium Aerotec ist ein Anbieter ziviler und militärischer Flugzeugstrukturen im Weltmaßstab entstanden.

Wie wird der deutsche Luftfahrtindustrie-Mittelstand am besten fit für die anhaltende Globalisierung?
Die Systemhersteller konzentrieren sich auf ihre eigenen Kernkompetenzen. Immer komplexere Sub-Systeme werden extern beauftragt. Gleichzeitig wird die Lieferkette an der Spitze immer kleiner, d.h. immer weniger Lieferanten haben direkten Zugang zu den OEMs. Das bedeutet, Mittelständler müssen innovative Wege gehen, um als zuverlässiger und langfristiger Partner der direkten Zulieferer der OEMs erkannt und definiert zu werden.

Wir haben aber in Deutschland auch eine nicht unerhebliche Zahl an Unternehmen, die sich als „Hidden Champions“ – von der Öffentlichkeit eher unbemerkt – in Marktnischen mit ihrer jeweiligen Kernkompetenz eine Spitzenstellung am internationalen Markt gesichert haben. Solche Unternehmen sind bereits global tätig und auf Firmenzusammenschlüsse nur bedingt angewiesen.

Generell müssen die Prioritäten unseres Mittelstands in der Ausrüstungs- und Zuliefererindustrie unserer Branche sein: Mut zur Internationalisierung, eine optimale Sichtbarkeit unter Tier1-Suppliern und ausreichende Investition in den Erhalt der jeweils eigenen Kernkompetenzen.

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