Agieren statt Reagieren

„Denn der einzige Grund für das Leben oder eine Geschichte ist doch: Was passiert als nächstes?” Der 1969 verstorbene US-amerikanische Schriftsteller Jack Kerouac ist mit diesen Gedanken derzeit omnipräsent in den Vorstandsetagen und Geschäftsführungsbüros von Industrieunternehmen rund um den Globus.Die Frage nach der nächsten Eskalationsstufe der Umsätze und Arbeitsplätze verschlingenden Wirtschaftskrise meißelt immer öfter auch Sorgenfalten in die Stirn von Managern des Flugzeugbaus. Der Passagierflugzeughersteller Airbus etwa hat angesichts der Marktentwicklung und als Reaktion auf Kundennöte seinen Auslieferungsplan für den Großraumjet A380 für 2009 und 2010 angepasst. Im laufenden Jahr sollen nur noch 14 Maschinen übergeben werden. Und US-Konkurrent Boeing hat im ersten Quartal 2009 einen Einbruch beim Nettoergebnis von 50% auf 610 Mio USD erlitten. Wegen der “deutlichen Verschlechterung” der Lage in der Luftfahrtbranche würden von der Boeing 777 künftig statt sieben nur noch fünf Maschinen pro Monat gebaut, teilte das amerikanische Unternehmen jüngst mit. Zudem würden die Pläne für eine leichte Ausweitung der Produktion der Boeing 747-8 und 767 vorerst nicht umgesetzt.Also: Was passiert als nächstes? Kerouac versteht die relative Unbeantwortbarkeit dieser Frage keineswegs als Legitimation für passives Abwarten, sondern in erster Linie als Anfang einer kritischen Standortbestimmung, um aktiv Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Und hier sind aktuell Strategien erkennbar, in der die Themen Optimierung der Kostenstrukur, Verschlankung der Fertigung und Verbesserung der Logistikkette taktische Bedeutung haben. In einer Studie, durchgeführt vom Luftfahrt-Industriemagazin aerotec, der TU Hamburg-Harburg und Lischke Consulting, wurden die aktuelle Situation und die Entwicklungen der Zulieferer der Luft- und Raumfahrtindustrie untersucht (Seite xx). Darin wird auch deutlich: Der Einkauf kann einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Kosten beitragen. Die Bedeutung des Fremdleistungsbezugs wird durch das hohe Niveau der Beschaffungsausgaben im Vergleich zum Umsatz in der Branche deutlich. Auch wird das Beschaffungsvolumen stark steigen. Laut Angaben der Studienteilnehmer steigen die Beschaffungskosten bis zum Jahr 2015 um fast 70%. Je nach Unternehmensgröße steigert sich der Anteil des Beschaffungsvolumens am Umsatz in Schnitt auf bis zu 55%.
Airbus hat jetzt erst mit Russland ein 3 Mrd EUR schweres Geschäft über die langfristige Lieferung von Titan für den Flugzeugbau abgeschlossen.

Auf Fragen nach der Zukunft gibt der deutsche Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V (VDE) eine überraschende Antwort: Der Ingenieurberuf hat ein hervorragendes Image. Wie eine repräsentative VDE-Umfrage unter 1000 Bundesbürgern zeigt, liegen Ingenieurinnen und Ingenieure jetzt auf Platz drei der angesehensten Berufe in Deutschland, 2005 war es noch Platz fünf. Sollte diesem Imagegewinn eine reale Zunahme des Ingenieur-Nachwuchses folgen, wäre das Grund genug für nachhaltige Zuversicht. Denn ohne kreative und innovative Ingenieure wird es nicht gelingen, die Kernthemen des Flugzeugbaus – Verbrauchsreduzierung, Verringerung von Lärm- und Abgasemissionen und alternative Antriebskonzepte – kompetent und damit zukunftssichernd zu besetzen.

Übrigens: Ärzte genießen das beste Image, Politiker bilden das Schlusslicht in der VDE-Befragung. Wie Banker und Konjunktur-Prognostiker abgeschnitten haben, ist nicht überliefert.
Christian Klein

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