Das magische Dreieck
Der Trend kennt derzeit nur eine Richtung: Um Kerosinkosten zu sparen, suchen Airlines verstärkt nach gewichtsoptimierten Lösungen im Flugzeuginnenraum. Der Weg zu erfolgreichen Sitzkonzepten geht allerdings nicht über das Gewicht allein – es spielen vielmehr auch die Faktoren Komfort und Platzgewinn eine entscheidende Rolle.
Auf der Messe Aircraft Interiors Expo vom 18. bis 20. Mai 2010 in Hamburg präsentiert der Flugzeugsitzentwickler und -hersteller Recaro Aircraft Seating unter anderem den Sitz Smart Line 3510 als eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen.
Nur 9,1 Kilogramm bringt der SL3510 auf die Waage – damit ist er der derzeit leichteste Sitz im Economy-Class-Bereich. „Wir haben große Einsparungen am Gewicht verwirklicht“, erklärt Axel Kahsnitz, Geschäftsführer von Recaro Aircraft Seating. „Dies haben wir unter anderem durch den Einsatz von Hightech-Materialien und intelligente Neukonstruktionen erreicht.“ So bildet im Sitzinnern statt der üblichen Schäume eine innovative Netzbespannung den Kern der Lehne. Dadurch kann die Dicke der Schäume verringert werden – und die Lehne wird deutlich leichter. Für das zukunftweisende, gewichtsoptimierte Konzept wurde das Unternehmen 2009 mit dem Crystal Cabin Award ausgezeichnet. Seit diesem Jahr sind nun auch die ersten SL3510-Sitze im Dienst: Air France setzt das neue Sitzmodell seit Ende Januar 2010 als Erstkunde in den Kurzstreckenfliegern A319, A320 und A321 der Inlandsflotte ein.
Mit großem Erfolg: Bei 6.000 Sitzplätzen, die Recaro Aircraft Seating an die Fluglinie zur Umrüstung von 37 Flugzeugen ausliefert, ist das Einsparpotenzial für die Airline enorm. Laut Angaben von Air France ist der SL3510 40 Prozent leichter als die bisher eingesetzten Sitzmodelle. Dadurch verbraucht die Fluggesellschaft jährlich 1.700 Tonnen weniger Kerosin und senkt den CO2-Ausstoß um rund 5.200 Tonnen. Die französische Fluglinie erfüllt damit nicht nur ihre Einsparziele in wirtschaftlich angespannten Zeiten – sie leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Umwelt.
Gewichtsreduzierung ist für Axel Kahsnitz aber nur einer der aktuell bestimmenden Trends in der Luftfahrt: „Es ist vielmehr das magische Dreieck aus Gewicht, Komfort und Platzgewinn, das uns als Flugzeugsitzentwickler beschäftigt. Beim Konkurrenzkampf der Fluggesellschaften kommt allen drei Faktoren eine strategische Bedeutung zu: Airlines benötigen leichtere Sitze als bisher, wollen den Passagieren aber gleichzeitig mehr Platz bieten und komfortabler sein.“ Zudem haben sie laut Kahsnitz große Erwartungen an die Belastbarkeit der Sitze. „Auf die Zuverlässigkeit der Produkte legen Airlines zunehmend mehr Wert“, berichtet Axel Kahsnitz. „Die Kosten eines Sitzes werden über seinen gesamten Lebenszyklus betrachtet. Und da rechnet sich Qualität eindeutig.“
Dass leicht und trotzdem äußerst bequem keinen Widerspruch bedeuten muss, beweist das Unternehmen mit seinem aktuellen Messeportfolio, allen voran mit dem SL3510: Denn dieser bietet Passagieren mehr Beinfreiheit und Komfort als vergleichbare Produkte. Die Entwickler von Recaro Air¬craft Seating haben bewusst an den ergonomischen Eigen¬schaften des Sitzes gearbeitet. Die nicht verstellbare Rücken¬lehne hat einen Neigungswinkel von 15 Grad und ist damit aufs entspannte Sitzen ausgelegt. Die Bespannung im Aluminium-Rahmen passt sich außerdem optimal an die Wirbelsäule des Passagiers an. Und bei enger gestellten Sitzreihen haben die Fluggäste überdies mehr Platz im SL3510. Gemessen am Produkt, das Air France bisher eingesetzt hat, schafft der neue Recaro Sitz bis zu 7,5 Zentimeter mehr Platz. „Wie das möglich ist? Ganz einfach: Unsere Netzbespannung sorgt dafür, dass die Rückenlehne deutlich schmaler und der Abstand zum Hintermann entsprechend größer wird“, erklärt Kahsnitz.
„Bei anderen Sitztypen sorgen wir zudem für Raumgewinn, indem wir die Bordliteratur nicht im Kniebereich platzieren, sondern oberhalb des Tisches. Oder aber wir haben die Sitzstruktur durch bionische Berechnung so optimiert, dass sich der durchschnittliche Sitzabstand für die Passagiere auch dann nicht verringert, wenn die Sitzreihen enger gestellt werden als zuvor“, sagt Axel Kahsnitz.
Was alles im „magischen Dreieck“ möglich ist, das zeigt das Unternehmen auf dem Hamburger Messestand. „Wir warten dort mit vielen interessanten Neuigkeiten auf“, verspricht Kahsnitz. „Darunter sind Sitzmodelle mit einem innovativen Komforterlebnis in der Economy Class und der Premium Economy Class ebenso sowie Produkte für den Business-Class-Bereich, die den Spagat zwischen maximaler Privatsphäre auf der einen Seite und optimaler Raumausnutzung auf der anderen Seite schaffen. Und dabei natürlich entsprechend leicht sind.“
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