Geld verdienen heißt fliegen

Nur ein Flugzeug, das in der Luft ist, verdient Geld. Ertönt der Alarmruf AOG („Aircraft on Ground”), dann herrscht nicht nur bei Fluggesellschaften die höchste Alarmstufe. Auch für die Logistik-Experten bei der Schenker Deutschland AG zählt jede Minute, wenn ein solcher Notruf beim zentralen AOG-Desk in Kelsterbach eingeht. Denn Logistikkompetenz ist gefragt, wenn Flugzeuge nicht mehr abheben können und dringend notwendige Ersatzteile schnellstmöglich zu den Flughäfen dieser Welt gelangen müssen. International operierende Logistikspezialisten wissen: Fällt in der Luftfahrt eine Maschine wegen eines technischen Defekts aus, kostet jede Stunde, die der „High-Tech-Vogel” nutzlos auf dem Vorfeld verbringt, die Fluggesellschaft Tausende von Euros. Hier sind Logistikkonzepte gefragt, die in kürzester Zeit die dringend benötigten Ersatzteile herbeischaffen. In der Praxis ist ein Fall wie dieser ebenso individuell wie typisch: Ein Airbus-Rumpfsegment und ein Triebwerk wurden umgehend in Dakar, Senegal benötigt. Über eine französische Maintenance-Firma erhielt DB Schenker den Auftrag, den Zulauf der Teile und die Luftfracht zu organisieren. Auf Grund der Abmessungen ein Unterfangen, das nur mit einem Charterflug möglich war. Da das Rumpfteil selbst aus Hamburg kam, wurde der Auftrag an DB Schenker in Hamburg weitergeleitet. Die gesamte Abwicklung und Planung erfolgte nunmehr in ständiger und enger Abstimmung mit Manfred Reuter, Aeroparts Manager Deutschland, und seinen Kollegen. Schon am frühen nächsten Morgen landete eine in Kiew registrierte Iljuschin IL76 in Hamburg. Sowohl das Rumpfteil als auch das Triebwerk, das zuvor aus Großbritannien herangeführt worden waren, standen bereits versandfertig auf dem Rollfeld. Aber kein Charter ohne Überraschungen; die zum Rückwärtssetzen des Flugzeuges benötigte Spezialstange, im Fachjargon „Tow-Bar” genannt, fehlte. Ein Rückwärtsfahren aus eigener Kraft war, aus Sicherheitsgründen, nicht erlaubt. Die DB-Schenker-Truppe reagierte flexibel und legte Hand an: Das Flugzeug bewegte sich langsam, aber stetig in die gewünschte Beladeposition. Danach dauerte es dann nur noch knapp 45 Minuten und Triebwerk und Rumpfteil waren sicher an Bord. Der Kapitän erhielt kurz darauf die Startfreigabe, um die dringend benötigte Fracht sicher nach Afrika zu fliegen.

„Bei unserem Service DB Schenker-aeroparts aog stehen besonders geschulte Mitarbeiter mit ausgeprägtem technischen Verständnis, hoher Flexibilität und Kundenorientierung rund um die Uhr an 24 AOG-Desks weltweit für unsere Luft- und Raumfahrt-Kunden zur Verfügung. Sie sorgen dafür, dass Ersatzteile für die Wartung oder Reparatur von Flugzeugen mit Hilfe unseres weltweiten Netzwerks dorthin gelangen, wo Flugzeuge festsitzen. Denn bei solchen Notfällen müssen Lieferketten genau so schnell und flexibel sein wie die Industrie, für die sie konzipiert wurden. Eben alles eine Frage der Logistik”, erklärt Michael Korn, als Mitglied des Vorstandes der Schenker Deutschland AG unter anderem für die internationale Luft- und Seefracht des Unternehmens verantwortlich.

Die Verfügbarkeit des fliegenden Geräts zu maximieren und damit für Fluglinien einen messbaren wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen, damit hat DB Schenker berits mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung. Das Unternehmen befördert vom Ersatzteil und der Bordausstattung bis hin zur Verpflegung alles, was in der Luftfahrt benötigt wird. Wenn in regelmäßigem Turnus Einzelteile aus Gründen der Betriebssicherheit gewartet oder ausgetauscht werden, muss Ersatz bedarfsgerecht in der Flugzeugwerft oder dem Wartungsbetrieb zur Verfügung stehen: Kabel, Schläuche, Dichtungen oder auch größere Bauteile wie Landeklappen und Turbinenträger. Dabei sind drei Kategorien zu unterscheiden: Der AOG-Service garantiert Lieferung innerhalb von 36 Stunden weltweit, beim „critical”-Service wird die Lieferzeit auf zwei bis drei Tage veranschlagt. In drei bis fünf Tagen befördert der „routine”-Service Montage- und Ersatzteile im Sammelverkehr zu speziellen Frachttarifen ans Ziel. Bei allen Service-Stufen können die Auftraggeber online den aktuellen Stand ihrer Sendungen – für die es keinerlei Maß- und Gewichtsbeschränkungen gibt – jederzeit verfolgen.

Zusätzlich zu Anlieferung und Transport wird auch die luftfahrtspezifische Lagerlogistik zunehmend ausgebaut. Da gerade in der Luftfahrt-Branche die Sicherheit entlang der gesamten Lieferkette eine große Rolle spielt, strebt DB Schenker zurzeit am Standort Frankfurt auch die luftfahrtspezifische Zertifizierung für Lagerlogistik an. Weitere Standorte sollen folgen. – Michael Obst -

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