Lichtzauber über den Wolken

Die Tage, an denen der Passagier einer Fluglinie einfach nur möglichst schnell von A nach B wollte, sind schon lange vorbei. Der Reisende heute will sich auch wohl fühlen und spezielle Angebote der Airlines hier avancierten zu Alleinstellungsmerkmalen.

Und das fängt schon beim Farbton weißen Lichts bei der Kabinenbeleuchtung an. LEDs, Glasfasern und neue Projektoren eröffnen neue Möglichkeiten für neuartige Lichtszenarien und bieten die Chancen der Kostensenkung.

“Der Trend geht weg von den Fluoreszenzröhren seit die LEDs (light emitting diode) leistungsfähiger sind”, bestätigt Sven Koppert Business Development Manager bei Goodrich. LEDs sind leicht, langlebig und brauchen wenig Strom, was den Wünschen der Airlines entgegen kommt. Aber bei den Winzlingen gibt es noch Probleme: der Farbton der einzelnen LEDs variiert deutlich und das menschliche Auge reagiert sehr empfindlich auf solche Unterschiede. Am Anfang kombinierte das Unternehmen deshalb farbige LEDs mit weißen Leuchtröhren um Farbeffekte erzeugen zu können. ” Heute ist die verfügbare Homogenität der LEDs besser. Es besteht aber immer noch das Problem, dass die Farbwahrnehmung unter dem Licht von weißen LEDs abweicht von der Wahrnehmung im Sonnenlicht”, so Sven Koppert. Um diesen Fehler zu korrigieren, bietet Goodrich Leuchten an, bei denen weiße LEDs mit roten und blauen LEDs kombiniert werden. Um weiße Beleuchtung der Flugzeugkabine möglichst homogen zu machen zieht man es bei Goodrich vor die LEDs vor dem Einbau nach Farbe und Helligkeit zu sortieren.

Durch gute Leistung und sinkende Herstellungskosten der LEDs liegen sie momentan auf einem Kostenniveau wie Röhren, nur LEDs halten länger, verbrauchen bei gleicher Helligkeit weniger Strom, wiegen aber weniger und lassen sich dimmen. Aber LEDs eignen sich noch zu mehr als nur dazu es hell zu machen. Mit Ihnen können die Lichtdesigner Szenarien kreieren, die wohltuend auf die Passagiere wirken. So simuliert bläulich weißes Licht den Morgen und macht die Passagiere munter, außerdem wirkt so die Kabine sauberer und frischer. Mehr gelbliches Licht schafft eine angenehme Stimmung zum Essen. LEDs sind, im Gegensatz zu Röhren, gut anzusteuern und eine programmierbare Beleuchtung bietet eine bessere Bedienbarkeit der Szenarien durch die Crew und Sven Kopperts sieht das in absehbarer Zeit als Standard an Bord.

“Der 787 Dreamliner hat eine reine LED-Beleuchtung”, berichtet Dr. Jan Günther Keyaccount-Manager Boeing bei Diehl Aerospace. Mit den kleinen LEDs lassen sich die Flugzeugkabinen in kleineren Segmenten ausleuchten als es mit Röhren möglich war. Und das gute Ansteuern der LED-Kombinationen was Gesamtfarbe und Helligkeit angeht schafft Standardszenarien. So gehört zum Boarding und Deboarding ‘Blue Sky’ und weiß erleuchtete Seitenwände und Bins, denn das lässt die Kabine größer erscheinen. Der Farbcharakter während des Flugs hängt dann von den jeweiligen Gegebenheiten ab, so können Sonnenauf- und –untergänge simuliert werden oder ein dunkles Blau sorgt bei den Passagieren für eine angenehme Ruhephase.

Aber auch gegen Jetlag soll das passende Beleuchtungsszenarium helfen. Der Jetlag entsteht unter anderem weil nach einem Langstreckenflug am Zielort ganz andere Licht- und Zeitverhältnisse herrschen als es am Heimatort der Fall wäre. Mit Mood Lighting Szenarien lassen sich während dem Flug die verschiedenen Tageszeiten simulieren, die den Passagier so sanft auf die am Zielort herrschende Tageszeit vorbereiten. Ob das den Jetlag wirklich reduziert ist wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Weiter kann Licht und Musik über eine Animation verbunden werden, etwa um Boarding und Deboarding zu beschleunigen.

Auch den Lichtdesignern von Diehl Aerospace macht die Farbvarianz der gelieferten weißen LEDs zu schaffen und sie mixen auch andere Farben zu. “Verschiedene Regelkreise stellen sicher, dass die farbigen LEDs stets ein homogenes Lichtbild generieren”, fasst Jan Günther zusammen. Und die gute Ansteuerbarkeit der LEDs soll dann seiner Vorstellung nach nicht nur Sonnaufgänge simulieren, sondern könnte auch etwa die französische Tricolore darstellen, um auf den französischen Unabhängigkeitstag zu feiern und nicht zu vergessen über passende Farbstimmungen in der Kabine die Branding- und Imagemöglichkeiten der Airlines zu nutzen oder auch schlicht nur einen nächtlichen Sternenhimmel an der Kabinendecke entstehen zu lassen, wie es an Bord der 777.

Aber LEDs sind nicht nur gut für Mood Lighting, mit den vielen kleinen weißen LEDs erreicht man eine weitgehend schattenfreie Ausleuchtung der gesamten Kabine.

Jan Günther sieht noch weiteres Potential bei den Lichtszenarien der Kabine: “Mit modernen Laserprojektoren lassen sich auch ohne Optiken scharfe Bilder projizieren. So könnte dann etwa der Sternenhimmel, wie er sich tatsächlich an der momentanen Position über der Maschine darstellt, auf die Kabinendecke projiziert werden.” Natürlich ist er sich bewusst, dass die kurvigen Wände und Einbauten einer Kabine dabei Probleme bereiten und noch einige Zeit ins Land gehen wird bis die Lösungen fumktionieren.

Eine weitere Antwort auf die steigende Nachfrage nach eleganten Lösungen für Innenraumbeleuchtung bietet ein Beleuchtungssystem von SCHOTT Aviation, das aus einer seitlich abstrahlenden Faseroptik und einer LED Lichtquelle besteht. “Es gibt mehre Wege, in der Kabine den Eindruck von Raum und Weite zu erzeugen. Eine davon ist flexible Konturbeleuchtung mit Faseroptik”, so Nina Berlin Marketing- und Produktmanagerin bei SCHOTT Aviation Lighting. Und ihr neues Produkt, HelioLine, ist laut Nina Berlin, schon bei in der Business Class einer asiatischen Airline eingebaut. Das Licht tritt über die ganze Faserlänge homogen aus und durch das Einkoppeln von farbigem Licht aus RBG-LEDs lassen sich auch so vielfältige Lichtszenarien realisieren. Dazu ist das abgestrahlte Licht vollkommen blendfrei, sehr angenehm für den Passagier.

Die neuen Leuchtfasern werden so in die Sitze eingebaut, dass sie deren Konturen hervorheben. Dies lässt die Flugzeugkabine größer erscheinen und sorgt bei Dunkelheit für eine bessere Orientierung.

“Airlines suchen nach Möglichkeiten, um sich vom Wettbewerb abzugrenzen”, so Nina Berlin, “das passiert heutzutage verstärkt über Aspekte wie Ökonomie, Ökologie aber vor allem auch Design.” Das zusammen mit den vielfältigen Möglichkeiten die die Kombination kleinster Laserprojektoren mit den leicht ansteuerbaren LEDs bieten wird die Lichtdesigner zu vielen weiteren Lösungen inspirieren. -Barbara Stumpp-

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