Mehr Sicherheit an Bord durch Faseroptik
Ausgefeilte Bordunterhaltungssysteme stellen auch neue Herausforderungen an die Technik und fordern sichere und leistungsfähige Wege für die Datenkommunikation. Denn aufgrund der immer komplexeren Systeme und wachsenden Möglichkeiten beim Informationsmanagement nimmt die Datenübertragung stark zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Kabeln im Flieger. Der Ausweg heißt Glasfaser.
Noch nie war Fliegen so angenehm wie heute. Seine betuchten Fluggäste empfängt Quatar Airways in Doha in einem eigenen Terminal, ausgestattet mit Marmor, Wasserfall und Concierge-Dienst. In der ersten Klasse der Fluggesellschaft Emirates bieten abgeschottete Minisuiten ein Maximum an Privatsphäre mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten wie einem Sieben-Gänge Menü und einem Schlafanzug von Givenchy.
Airlines lassen sich im Wettstreit um die Passagiere immer mehr einfallen. Die Abgrenzung von der Konkurrenz definiert sich nicht nur über die Beinfreiheit oder die Weinauswahl. Unterhaltung und technische Ausstattung sind zu einem wichtigen Verkaufsargument für Fluggesellschaften geworden. Das sogenannte InFlight Entertainment (IFE), die Unterhaltung an Bord, spielt dabei eine große Rolle. Filme auf Langstreckenflügen werden mittlerweile vom Kunden als Standard vorausgesetzt. Nun geht es darum, wer mit modernsten Infotainment-Systemen punkten kann. Internet, Video on demand und Spielkonsolen können den Fluggästen schon bald die Zeit in der Luft versüßen.
Fluggesellschaften in den USA, dem weltgrößten Luftfahrtmarkt, setzen als Zukunftstrend vor allem auf das Internet. Gleich mehrere Airlines haben auf Inlandsflügen bereits mit entsprechenden Testversuchen begonnen. So bietet JetBlue Airways seit Anfang Dezember einen kostenlosen E-Mail- und Instant Messaging-Service. Neben Internetzugang ist die Nutzung eigener elektronischer Geräte wie iPods an Bord ein weiterer Zukunftstrend. Immerhin besitzen rund zwei Drittel aller Fluggäste mindestens ein elektronisches Gerät wie Laptop, mp3-Player oder ein Mobiltelefon mit Zusatzfunktionen. Und der Aufwand scheint sich auszuzahlen: Air Canada hat laut Welt Online seine Buchungen für Strecken auf denen Maschinen mit den neuesten IFE-Systemen eingesetzt werden um zehn Prozent gesteigert.
Doch die Bordunterhaltung stellt auch neue Herausforderung an die Technik und fordert sichere und leistungsfähige Wege für die Datenkommunikation. Denn aufgrund der immer komplexeren Systeme und wachsenden Möglichkeiten beim Informationsmanagement nimmt die Datenübertragung stark zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Kabeln im Flieger.
Konventionelle Kupferkabel sind für die Datenübertragung an Bord nur bedingt geeignet. Sie übermitteln Informationen in Form von elektrischen Impulsen, was ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellen kann. Wenn bei einem Kupferkabel die Ummantelung altert oder beschädigt wird, kann es zu Funkenflug zwischen den offen liegenden Kupferleitungen kommen. Das Risiko ist beträchtlich und nimmt weltweit zu. Verschiedene Untersuchungen aus den USA, durchgeführt von Experten der US-Flugunfall-Untersuchungsbehörde NTSB, haben gezeigt, dass selbst nagelneue Maschinen häufig schon mit beschädigten Kabeln fliegen. Immer häufiger entstehen daher aufgrund von Kabelfehlern Brände an Bord und das nicht nur bei älteren Flugzeugmodellen.
Mehr Sicherheit bietet der Einsatz von Glasfasern mit Übertragung durch Lichtimpulse. Licht ist das schnellste und leistungsfähigste Medium zur Datenübertragung. Für die Strecke von der Erde bis zum Mond benötigt ein Lichtimpuls nur 1,3 Sekunden. Damit Lichtimpulse transportiert werden können, ist ein optisches System, eine Glasfaser, erforderlich. Die Datenübertragung beruht dabei auf dem Prinzip der Totalreflexion zwischen Glasfaserkern und Mantel: Leitet man einen Lichtstrahl unter einem bestimmten Winkel in den optisch dichteren Kern, wird er am Übergang zum optisch dünneren Mantel nahezu verlustfrei reflektiert und somit geleitet. Da Glasfaserverbindungen Licht und keine elektrischen Impulse übertragen, ist die Gefahr von Funkenflug völlig ausgeschlossen.
Darüber hinaus altern Glasfaserkabel nur wenig und zeichnen sich durch chemische und thermische Resistenz aus. Sie können überall dort, wo es um die Übermittlung von Daten geht, zu einer wesentlichen Entlastung von herkömmlichen Kupferkabeln führen – bei der gleichzeitigen Möglichkeit, wesentlich größere Datenmengen zu transportieren. Glasfasern leiten Signale breitbandiger mit dem Ergebnis, dass mehr Information pro Zeit übermittelt wird.
„Wenn eine hohe Flamm- und Temperaturbeständigkeit sowie hohe Übertragungsraten gefragt sind, haben Glasfasern gegenüber konventionellen Kabeln deutliche Vorteile“, so Gerhard Zwickel, Manager Aviation bei der Schott AG. Der internationale Technologiekonzern mit Hauptsitz in Mainz hat Faseroptik-Lösungen speziell für die Verwendung in Flugzeugen entwickelt. Die von Schott entwickelte Multicore-Glasfaser ist beispielsweise bis 125 ° C temperaturbeständig und erfüllt alle gängigen Normen. „Bei der Entwicklung konnten wir auf weitgehende Erfahrungen aus der Forschung und Anwendung von Faseroptik im Automobilbau zurückgreifen“, erklärt der Schott Manager.
Neben den aufgeführten Vorteilen spricht ein weiterer Faktor mit großer Bedeutung für den Luftverkehr für den Einsatz von Glasfasern: Das Gewicht. Glasfasern sind sehr viel leichter als Kupferkabel. Mit einem äußerst geringen Biegeradius von unter fünf Millimetern lassen sich Glasfaser-Verbindungen sehr flexibel verlegen. Anders als andere Glasfaserlösungen besteht bei Schott jede Verbindung aus 280 bis 320 Einzelfasern. Selbst im Fall von Beschädigungen ist die Redundanz extrem groß, was Fehler weitgehend ausschließt. Dadurch kann auf einen aufwändigen, mechanischen Schutz der Verbindungen verzichtet werden, was sich gewichtssparend auswirkt. Bei der Faseroptik können Anschlüsse und Verbindungen mit einfachen Mitteln realisiert werden und über optische Verstärker stellt auch die Überbrückung langer Verbindungsstrecken kein Problem dar.
Experten gehen davon aus, dass bis 2013 ein Großteil neuer Flugmaschinen mit Glasfaserkabeln ausgestattet sein wird. Damit sind sie rechtzeitig darauf eingestellt, mit schneller und sicherer Datenübertragung dazu beizutragen, den Passagieren den Flug mit individuellen Unterhaltungsprogrammen noch angenehmer zu gestalten.
Gina Hardebeck
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