Minijets: Neuentwicklung mit großem Wachstumspotenzial von John Siddarth, Research Analyst Commercial Aviation, Frost & Sullivan

Der Europamarkt für Minijets bietet trotz Wirtschaftskrise ein erhebliches Wachstumspotenzial. Bis 2018 dürften insgesamt etwa 439 Minijets ausgeliefert werden, was einem Marktpotenzial von ca. 1 Milliarde US-Dollar entspricht. Die aktuellen Aufträge stammen vor allem von Lufttaxiunternehmen, die in den nächsten zwei bis drei Jahren ihr Geschäft aufnehmen wollen.

Der Minijet ist ein relativ neues Konzept, das im Lufttransport eine Lücke im Passagierverkehr füllen soll. Während es bei kommerziellen Fluglinien immer wieder Verbindungsprobleme gibt und Chartergesellschaften mit hohen Kosten zu kämpfen haben, zeigt sich zumindest für gut betuchte Flugreisende jetzt eine Alternative. In USA sind bereits etliche solcher Taxis in der Luft, und mittlerweile herrscht auch in Europa reges Interesse an den VLJ’s.

Der Definition nach handelt es sich bei Very Light Jets (VLJ), auch Minijets genannt, um Düsenflugzeuge mit einem Höchstabfluggewicht von weniger als 4.540 kg (10.000 lb). Sie benötigen nur Start- und Landebahnen von rund 1000 Metern Länge und können damit auch Flugplätze bedienen, die für Jets oder andere Flugzeuge bislang nicht geeignet waren. Ein weiterer Vorteil sind die Kosten: Der Anschaffungspreis liegt im Durchschnitt lediglich bei ca. 2,5 Mio. US-Dollar, und auch die Betriebskosten sind vergleichsweise niedrig, so dass die Total Cost of Ownership (TCO) bei ungefähr 3-4 US-Dollar pro Meile liegt.

Gute Voraussetzungen für eine solche Entwicklung ergeben sich auch aus der Struktur des Endnutzersegments. So beheimatet Europa immerhin 31 Prozent der „high net worth individuals” (HNWI) – also ca. drei Millionen Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer 1 Mio. US-Dollar in Finanzaktiva – und damit eine Vielzahl an potenziellen Kunden für VLJ-Angebote.

Für VLJ’ gibt es derzeit zwei Anwendungsbereiche: zum einen den privaten Gebrauch, zum anderen den Einsatz als Lufttaxi. Gerade das Lufttaxi-Geschäft ist in Nordamerika bereits gut entwickelt, in Europa ist es dagegen noch im Aufbau begriffen. Momentan sind europaweit rund 15 Lufttaxi-Unternehmen am Start. Angeflogen werden Sekundärflughäfen in allen großen Städten Europas. Geplant ist außerdem eine Ausweitung der Aktivitäten auf den Nahen Osten und in die Region Asien-Pazifik. Mit einer Sättigung in diesem Segment ist in drei bis vier Jahren zu rechnen.

Was die Hersteller der Minijets betrifft, gibt es aktuell ca. 17 Wettbewerber mit Modellen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. In Produktion befinden sich momentan allerdings nur die Modelle Embraer Phenom und Cessna Mustang. Letzterer ist der erste Minijet mit voller FAA-Zertifizierung; er wurde im Jahr 2007 weltweit immerhin 40-mal und ein Jahr später bereits 100-mal verkauft. Damit hält die Cessna Mustang deutlich die Spitzenposition. Bis 2018 dürfte sie einen Marktanteil von 31 Prozent erzielen. Auch das Konkurrenzmodell Embraer Pheom 100 wird sich in diesem Zeitraum voraussichtlich stark entwickeln und allein in Europa 23 Prozent des Marktes dominieren. Weitere Wettbewerber, die sich allmählich im Markt etablieren und mit viel Kapital und vollen Auftragsbüchern ausgestattet sind, heißen Honda, Diamond und Cirrus, wobei der Honda Jet und der Cirrus Jet klar als Privatjets und nicht als Lufttaxis positioniert sind. Während die ersten Diamond Jets voraussichtlich im kommenden Jahr geliefert werden, dürften die ersten kommerziellen Honda Jets 2011 in die Lüfte steigen. Andere Modelle wie die Jets Adam Aircraft A500 und Eclipse 500 hingegen werden nicht mehr gebaut, da ihre Hersteller 2008 Insolvenz anmelden mussten.

Die wichtigsten Kriterien für die künftigen Betreiber von Lufttaxi-Unternehmen lauten Betriebskosten und Sicherheit, für Unternehmens- und Privatkunden spielt zusätzlich beispielsweise auch der Komfort eine große Rolle.

Für Investoren, die an einem Einstieg in diesen Markt interessiert sind, lohnt sich der genaue Blick auf die Anbieter unterschiedlicher Support-Dienste sowie auf die Komponentenzulieferer für die neusten VLJ-Modelle. Gerade die Hersteller kleiner Komponenten verfügen über ein enormes Entwicklungspotenzial. Für die Player in diesem Sektor empfiehlt sich die Strategie, Partnerschaften mit bereits etablierten Zulieferern einzugehen, um so das Risiko möglichst gering zu halten. Die größten Wachstumsmöglichkeiten bieten sich hier im Zusammenhang mit VLJ-Modellen, deren Produktion in nächster Zukunft anlaufen soll.

Im Bereich Support bieten sich große Chancen in den Segmenten für Wartung und Instandhaltung sowie für die spezielle Ausbildung von VLJ-Piloten. Diese Anschlussmärkte, zu denen auch die Entwicklung von Sekundärflughäfen gehört, befinden sich häufig noch in der Anfangsphase ihrer Entwicklung und könnten sich als äußerst lukrativ erweisen.

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