Ontario: grünes Licht für die Luft- und Raumfahrtindustrie

Es gibt sie wirklich: aktive, innovative Industriepolitik. Die kanadische Provinz Ontario, in der mehr als 350 Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie zu Hause sind, hat schon früh das passende Umfeld geschaffen, um ihren Luft- und Raumfahrtsektor auf Kurs zu bringen.

Viele denken, das einzig Grüne an Rüstungsgütern sei die Farbe ihrer Lackierung. Cyclone Manufacturing setzt dieser Annahme nun 50 Millionen kanadische Dollar (CAD) entgegen, die in einen neuen energieeffizienteren Herstellungsprozess investiert werden. Künftig sollen so „grünere” kommerzielle Flugzeugbauteile aus superstarken, leichten Verbundstoffen produziert werden, die ursprünglich für Militärjets entwickelt wurden. Dies ist sowohl für den Hersteller als auch für dessen Luftfahrtkunden ein ökologischer Gewinn. Cyclone spart dank des neuen Herstellungsprozess Energie und reduziert dadurch die CO2-Emissionen. Für seine Kunden bedeuten die leichteren tragenden Teile, Höhenflossen und Flügelhäute einen geringeren Kraftstoffverbrauch, niedrigere Kraftstoffkosten und weniger Umweltverschmutzung.

„Das Militär ist in der Nutzung von Kohlefaser- und anderen Verbundstoffen viel weiter”, sagt Robert Sochaj, Vice President von Cyclone Manufacturing. „Indem wir diese Technologien für kommerzielle Anwendungen anpassen, können wir unseren Kunden ein breiteres Spektrum an Produkten und Dienstleistungen bieten und zugleich der Umwelt etwas Gutes tun.”

Cyclone Manufacturing, mit Sitz in Mississauga (Ontario), produziert Bauteile und Unterbaugruppen für Bombardier, Boeing, Lockheed Martin und Tier-1-Zulieferer. Um den Fortschritt des Projekts weiter voranzutreiben, hat die Regierung von Ontario Cyclone einen Zuschuss von fast 7,7 Millionen CAD aus ihrem Programm „Next Generation of Jobs Fund” bewilligt. Dieses fünfjährige Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von 1,15 Milliarden CAD unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung ökologischer Produkte, effizienter Technologien und anderer Innovationen für den Weltmarkt.

Wie Cyclone Manufacturing sind derzeit viele Unternehmen in der kanadischen Luft- und Raumfahrtindustrie auf der Suche nach neuen, ökologischeren und effizienteren Geschäftsmöglichkeiten. Pratt & Whitney Canada – ein Unternehmen, das an seinen F&E-Standorten in Mississauga (Ontario) und Longueuil (Québec) 1.500 Ingenieure und Techniker beschäftigt – investiert derzeit über einen Zeitraum von fünf Jahren 1,5 Milliarden CAD, um seine Spitzenposition im Bereich ökologischer Motortechnologien zu behaupten.

Dieses starke Engagement für Forschung und Entwicklung hat maßgeblich zum Aufstieg der kanadischen Industrie zum fünftgrößten Luft- und Raumfahrthersteller der Welt beigetragen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich Kanadas Anteil an der globalen Luft- und Raumfahrtindustrie verdreifacht.

Cyclone Manufacturing gehört zu den mehr als 350 Luft- und Raumfahrtunternehmen in Ontario, von denen die meisten im Hightech-Herstellungskorridor ansässig sind, der sich von Kingston im Osten durch die Metropolregion Toronto (GTA) bis nach Windsor im Südwesten erstreckt.

Entlang dieses Korridors sind viele der weltweit größten Luft- und Raumfahrtunternehmen mit Fabriken oder Forschungseinrichtungen vertreten, darunter Bombardier, Goodrich (Geschäftsbereich Fahrwerke), Pratt & Whitney Canada, Honeywell, MDA, COM DEV, Magellan Aerospace, Messier-Dowty, L3 Communications und Eurocopter..

Das GTA Aerospace Cluster, zu dem auch Mississauga und Milton gehören, ist eines der sieben bedeutendsten Luft- und Raumfahrt-Montagezentren der Welt. Es generiert jährliche Umsatzerlöse von mehr als 6 Milliarden CAD, überwiegend durch Exporte, und beschäftigt mehr als 20.000 Mitarbeiter.

Diese Konzentration von Kompetenzen und Investitionen im Bereich Luft- und Raumfahrt stellt eine erhebliche Wirtschaftskraft dar – eine Kraft, die von der Regierung von Ontario trotz der weltweit schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen unterstützt wird, damit sie noch ökologischer und effizienter wird.

Im Rahmen ihres mit 500 Millionen CAD ausgestatteten Förderprogramms „Advanced Manufacturing Investment Strategy” gewährt Ontarios Regierung zinslose Darlehen. Luft- und Raumfahrtunternehmen können mit diesen Geldern innovative Technologien einführen um sich langfristig an der Spitze der globalen Fertigung zu positionieren.

Aktuell werden verschiedenste Projekte gefördert:

  • Diamond Aircraft Industries investiert mehr als 100 Millionen CAD in die Entwicklung des D-JET, eines komplett aus Verbundstoffen hergestellten, einmotorigen Fünfsitzer-Düsenflugzeugs.
  • FAG Aerospace Inc. investiert mehr als 17 Millionen CAD in führende Herstellungstechnologien und -prozesse.
  • Héroux-Devtek investiert 28,5 Millionen CAD in den Aufbau eines Exzellenzzentrums für große und komplexe Fahrwerkskomponenten.

Diese und andere Unternehmen bauen auf die in Ontario bestehenden Wettbewerbsvorteile. Die Nähe zum US-amerikanischen Markt spielt dabei eine zentrale Rolle, ebenso wie die ausgereiften Kommunikations- und Transportnetzwerke, die Just-in-time-Lieferstrategien ermöglichen.

Zudem gibt es in Ontario ein großes Talentaufgebot. Aus dem Hochschulsystem mit seinen 20 Universitäten und 24 Colleges gehen jedes Jahr 29.000 Absolventen der Bereiche Technik, Naturwissenschaften und Mathematik hervor.

Noch wichtiger ist, dass laut einer umfassenden KPMG-Studie aus dem Jahr 2008 über internationale Geschäftskosten, die Herstellungskosten für die Luft- und Raumfahrtindustrie in Kanada niedriger sind als in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Deutschland oder Japan.

Der kanadische Kostenvorteil fällt für innovative forschungsorientierte Unternehmen sogar noch größer aus, weil diese zusätzlich von den F&E-Steueranreizen der Provinz profitieren.

Auch attraktive Steuersätze gehören zu diesem Kostenvorteil. So liegt der von Bund und Provinz erhobene Körperschaftssteuersatz für Hersteller in Ontario mit insgesamt 31 Prozent fast sechs Prozentpunkte unter dem US-amerikanischen Durchschnitt.

Die kanadische Industrie ist überdies sehr glimpflich durch die Kreditkrise gekommen, die so viele Luft- und Raumfahrtunternehmen in anderen Ländern in Bedrängnis gebracht hat. Die kanadischen Banken waren zwar gegen das weltweite Durcheinander nicht immun, durch ihr höheres Eigenkapital aber stabiler. Infolgedessen konnten sie ihr Portfolio an Unternehmensdarlehen 2008 sogar vergrößern.

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