Produktivitätsschub für Ultraleichte
Seit bei dem ukrainischen Ultraleicht-Flugzeugbauer Aeroprakt schrittweise das CNC-Zeitalter Einzug gehalten hat, ist die Effizienz gestiegen: Der Arbeitsaufwand konnte um 40 Prozent gesenkt werden. Dieser Erfolg war nicht ohne ein Umdenken bei den Konstrukteuren zu haben, denn sie mussten ihre Strategien beim Entwerfen und Konstruieren von Teilen und Baugruppen ändern. Letztendlich wurde das gesamte Flugzeug überarbeitet, um die Möglichkeiten der neuen CNC-Werkzeugmaschine voll auszuschöpfen.
Oleg Lytovtschenko und Juri Jakowlew, die beiden Gründer von Aeroprakt, arbeiteten früher als Konstrukteure beim berühmten ukrainischen Flugzeugbauer Antonow. Sie gründeten einen Fliegerclub, den sie 1991 zu einem Unternehmen weiter entwickelten, das in den folgenden Jahren mehr als 450 Ultraleichtflugzeuge bauen sollte und vielleicht Tausenden von Flugbegeisterten auf der ganzen Welt geholfen hat, ihre Träume vom Fliegen auszuleben.
Inmitten fast undurchdringlicher Verkehrsströme baut Aeroprakt seine Flugzeuge im Zentrum von Kiew in einem seltsam anmutenden zweigeschossigen Gebäude, dessen graue Wände mit bunten Flugzeugpostern aller Formen und Größen beklebt sind. Unverkennbar lebt Aeroprakt eine tief verwurzelte Leidenschaft aus. Metallarbeiter, Mechaniker, Schleifer, Verbundmaterialtechniker: Ganz gleich, welche Arbeit die 60 Angestellten ausführen, viele von ihnen lieben es einfach, ihren Lebensunterhalt mit dem Bau von Flugzeugen zu verdienen. Es gibt viele Unternehmen, die es sich wünschen würden, solche kreative Energie ihr eigen nennen zu können.
Doch, um mit Benjamin Franklin zu sprechen, wenn Leidenschaft der Motor ist, dann sollten Vernunft und gutes Management das Steuer sein.
Alex Zhurba ist der Werkleiter von Aeroprakt und mit einem nüchternen Pragmatismus ausgestattet, vor allem, wenn es darum geht, wie Flugzeuge gebaut werden sollen. Obwohl er mit Begeisterung an seine Arbeit geht, wird doch deutlich, dass er den ‚Flieger-Virus‘ nicht hat.
„Der Hauptzweck eines Unternehmens besteht darin, Geld zu machen, nicht wahr?“, fragt er. „Es gibt hier viele Menschen, die vom Fliegen besessen sind, aber unser Ziel ist es, das beste Flugzeug auf die effizienteste Art und Weise zu bauen. Meine Hauptsorge gilt der Produktivität.“
Vor vier Jahren begann für Alex Zhurba die jüngste Phase seines Produktivitätsschubs, als er das vertikale Bearbeitungszentrum VF-4 von Haas einkaufte. Diese Maschine machte die Konstrukteure von Aeroprakt mit dem Konzept der CNC-Werkzeugmaschinen vertraut. „Sie mussten ihre Denkweise und ihre Vorgehensweise beim Entwerfen und Konstruieren von Teilen und Baugruppen ändern“, erinnert er sich. „Letztendlich wurde das gesamte Flugzeug überarbeitet, um die Möglichkeiten der neuen CNC-Werkzeugmaschine voll auszuschöpfen.“ Das Erlernen eines neuen Werkzeuges ist die Grundlage jeder Entwicklung. Kaum hatte Zhurba also seinen Konstrukteuren den neuen Weg aufgezeigt, waren sie für den nächsten Schritt bereit. „Der VF-4 folgte ein oder zwei Jahre später ein CNC-Router GR-5 von Haas. Diese Maschine ist eine logische Wahl für einen Flugzeugbauer. Wir verwenden sie zum Fräsen der Gussformen für die Fiberglas-Rumpfplatten und die langen Bauteile, wie die Flügelkomponenten. Wir schneiden die Gussformen aus dem Modellbrett und nutzen sie zur Erstellung der Mutterformen, die aus handgelegtem Verbundwerkstoff gefertigt werden.”
Zhurba kaufte auch eine Haas Super Mini Mill, die ununterbrochen die Hunderte von Kleinteilen bearbeitet, die die größeren Teile eines Flugzeuges zusammenhalten. „Wir brauchen auch eine Drehmaschine TL-25“, meint er. „Ich habe für dieses Jahr eine mit einer Gegenspindel bestellt.“
Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute behauptet Alex Zhurba, dass die Umsätze von Aeroprakt-Flugzeugen stabil sind. Aktuell baut das Unternehmen etwa 60 Einheiten pro Jahr, manche als Bausätze, andere fertig zusammengebaut, und versendet sie an Händler in Dutzenden von Ländern. „Anfang 2009 haben wir unser neuestes Modell eingeführt”, erläutert er, „die A22 – LS ‘Light Sport’, die hauptsächlich für den US-Markt gedacht ist.”
Es wird erwartet, dass die Einführung der Light-Sport-Lizenzkategorie die Anzahl der Menschen, die das Fliegen als Hobby betreiben, beträchtlich erhöhen wird. Sportpiloten brauchen weniger Flugstunden für die Zulassung und da die Flugzeuge kleiner, leichter sowie preiswerter in der Unterhaltung sind als einmotorige Standardmaschinen, können sich die Kosten für die Flugschule verglichen mit dem üblichen Werdegang eines Hobbypiloten auf unter die Hälfte reduzieren.
„Seitdem wir mit den CNC-Werkzeugmaschinen von Haas arbeiten”, betont Zhurba, „haben wir den Arbeitsaufwand um über 40 % gesenkt. Wenn wir unsere Produktivität weiter so steigern, dann können wir in diesem Werk bis zu 100 Flugzeuge pro Jahr fertigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch mehr bauen wollen. Der Weltmarkt für Ultraleichtflugzeuge gibt einfach nicht mehr her. Zumindest im Augenblick nicht.“
Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Dank Firmen wie Aeroprakt, und vor allem dank Alex Zhurba und seinen Anstrengungen, die Gemeinkosten niedrig zu halten, ist das Fliegen für mehr Menschen möglich und auch preiswerter geworden.
Matt Bailey
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