Rasanter Technologiewechsel kann in die Millionen gehen

Auf Luftfahrtmessen wie der ILA dominieren Innovationen. Insbesondere elektronische Bauteile und Software-Komponenten werden jedoch immer schneller „abgekündigt“, also aus dem Ersatzteil- bzw. Update-Programm genommen.

Die Folge dieser Obsolescence für den Betreiber: hohe Zusatzkosten durch Re-Designs, die leicht in die Millionen gehen.

„Wer kauft sich schon einen Neuwagen in Hamburg ohne zu wissen, dass nach der Ankunft in München an den Tankstellen kein Zapfhahn mehr zum Einfüllstutzen an seinem Fahrzeug passt?“ So griffig formuliert, schildert Ludger Penkhues, Leiter Einkauf und Prokurist beim Luftfahrt-Zulieferer Autoflug in Rellingen, die Kurzatmigkeit, mit der Betroffene heute bei der Beschaffung und beim Management von elektronischen Bauteilen und Software-Komponenten rechnen müssen.

Welch folgenschwere Auswirkungen der rasante Technologiewechsel, der verstärkt auf die Konsummärkte der Kommunikations- und Elektronikartikel zielt, haben kann, schildert Penkhues an einem konkreten Fall: „Allein die Abkündigung eines einzelnen Prozessors, zu dem kürzlich ein bekanntes Unternehmen die Last Time Buy-Möglichkeit verschlafen hatte, erforderte Zusatzinvestitionen von 250.000 Euro.“ Gar schlimm wird es, wenn hier kein ausreichendes Frühwarnsystem installiert ist und derartige Gelder vor der Amortisation der Entwicklungskosten „on top“ zu Buche schlagen. Auch kurzfristig nötige Hamsterkäufe über Broker und Verpflichtungen zur Langzeitlagerung können da schon mal die Existenz eines Unternehmens in arge Schieflage bringen.

„Wir sehen das inzwischen etwas gelassener“, sagt Ludger Penkhues mit Hinweis auf den seit geraumer Zeit über den COG Deutschland-Verband praktizierten Selbsthilfeprozess COG = Component Obsolescence Group, im Jahre 1997 in Großbritannien als Forum gegründet,. Hier, in einem Ableger des britischen Vereins, treten die Mitgliedsunternehmen vorausschauend in den fachlichen Austausch, um Obsolescence zu verhindern oder die Folgen deutlich zu mildern.

Die besondere Stärke der Selbsthilfegruppe liegt im regelmäßigen fachlichen Dialog: Es findet ein Branchen übergreifender Know-how-Transfer statt, mit Vertretern aus der Luft- und Raumfahrt, der Wehr- und Medizintechnik und der Bahnindustrie. Aber auch Fachleute aus der Industrieelektronik, der Kernenergie sowie der Konsumgüterelektronik und der Telekommunikation bringen hier ihr Wissen ein. Am Ende führt der Austausch zu maßgeschneiderten Unternehmenslösungen, mit finanziell positiver Bilanz. Augenzwinkernd fügt Penkhues hinzu: „Mit den fehl investieren 250.000 Euro hätte sich das Unternehmen besser eine 250 Jahre währende Mitgliedschaft im COG-Verband sichern sollen. Das hätte sich bestimmt millionenfach ausgezahlt.“

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