Rauf mit der Wettbewerbsfähigkeit
aerotec führt derzeit zusammen mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg, und der Management Beratung Lischke Consulting eine Studie zu Entwicklungen der deutschen Luftfahrtzulieferunternehmen durch. Wo liegen die Chancen und Risiken für die Branche? Was muss sie tun, um ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern? Eine erste Bestandsaufnahme:
Getrieben werden die Veränderungen der Luftfahrtzulieferindustrie durch ein Spannungsfeld, in dem sich die Zulieferer zwischen Flugzeughersteller und Sublieferanten einerseits und dem Auftreten neuer globaler Wettbewerber und Technologien andererseits befinden. Aktuell verschärft der schwache Dollar die Situation vieler Unternehmen zusätzlich.
Verstärkte Forschung und Entwicklung im Zusammenhang mit der nächsten Generation von Flugzeugmustern hat in vielen Bereichen zu einer rasanten Veränderung bestehender Technologien geführt. Allerdings ist diese Dynamik nicht in jedem Technologiefeld gleich hoch. Bei Betrachtung der bisherigen Ergebnisse der Studie können sowohl zwischen den einzelnen Segmenten als auch zwischen Produkt- und Fertigungstechnologie Unterschiede festgestellt werden. Insgesamt scheint die Fertigungstechnologie etwas stärkeren Veränderungen als Produkttechnologie unterworfen zu sein. Die bisher ausgewerteten Antworten zeigen, dass in drei Segmenten eine starke Veränderung der Fertigungstechnologie erwartet wird, während bei der Produkttechnologie nur bei zwei Segmenten eine solche Einschätzung gegeben wurde. Struktur und Ausrüstung stellen sich als die beiden dynamischsten Segmente heraus. Besonders im Segment Struktur verursacht der weitreichende Einsatz von Verbundwerkstoffen in den neuen Mustern starke technologische Veränderungen sowohl in der Fertigungs- als auch in der Produkttechnologie. Der größte Unterschied in der Einschätzung der Veränderungen in den beiden Technologiefeldern ist im Segment der elektrischen und elektronischen Systeme zu beobachten. Hier scheint der Fokus auf der Fertigungstechnologie zu liegen, was auf einen eher effizienzfokussierten Wettbewerb hindeutet.
Parallel zu den Veränderungen im technologischen Bereich, streben die großen Flugzeughersteller an, Wertschöpfungsanteile von sich selber auf ihre Zuliefernetzwerke zu übertragen. Am Beispiel des Segments Struktur lässt sich zeigen, wie sich nach Einschätzung der bisher befragten Zulieferer diese Übertragung auf die einzelnen Stufen der Wertschöpfung auswirkt. Es wird die aktuelle mit der erwarteten Verteilung der Wertschöpfung im Jahr 2015 verglichen. Während aktuell die von den Flugzeugherstellern erbrachte Wertschöpfung auf allen untersuchten Stufen über 70% liegt, wird sich dieser Anteil bis zum Jahr 2015 teilweise auf unter 50% reduzieren. Die befragten Unternehmen erwarten zudem, dass sich die Hersteller aus den einzelnen Wertschöpfungsstufen unterschiedlich stark zurückziehen. Eine Übertragung wird demnach im Segment Struktur besonders auf den Stufen Fertigung und Montage sowie im Bereich der Logistik erwartet, während die Forschung und Entwicklung weitgehend in der Hand der Hersteller bleiben wird.
Das Outsourcing von Fertigungs- und Montageanteilen in einem so hohen Ausmaß, bedingt den Einsatz von Lieferanten, die nicht nur in der Lage sind größere Systeme technologisch zu steuern, sondern auch über ein entsprechendes Zuliefernetzwerk verfügen und finanzielle Risiken tragen können. Diese Anforderungen können von einer Branche, die nach aktuellen Zahlen des BDLI zu 90% aus mittelständischen Unternehmen besteht, größtenteils nicht erfüllt werden. Eine grundlegende Konsolidierung innerhalb der Branche ist deswegen bereits im Gang - eine ähnliche Entwicklung wie sie die Automobilindustrie bereits in den 90ger Jahren durchlaufen hat. Als die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine solche Entwicklung haben die bisher befragten Unternehmen den verstärkten Einsatz von Fachkräften, die Beschaffung und Bereitstellung finanzieller Mittel, sowie den Aufbau von Netzwerken und Kooperationen identifiziert.
Die Kühne School an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (Prof. Dr. Wolfgang Kersten), die Management Beratung Lischke Consulting und die aerotec-Redaktion laden alle Leser herzlich ein, sich an der weiterlaufenden Studie zu Entwicklungen in der deutschen Luftfahrtzulieferindustrie zu beteiligen. Mit Ihrer Teilnahme an der Befragung helfen Sie uns, Antworten darauf zu finden, wie und in welchen Strukturen die deutsche Luftfahrtzulieferindustrie in dem dynamischen Umfeld gesichert werden kann.
Informationen zur Teilnahme erhalten Sie von Alexander Bartel (alexander.bartel@lischke.com) und Philipp Hohrath (philipp.hohrath@tu-harburg.de).

