Sägeanlagen für hochspeziellen Materialmix
Im Logistik-Zentrum des Hubschrauberherstellers Eurocopter in Donauwörth spielt industrielle Sägetechnik eine wichtige Rolle bei der Materialversorgung für die angegliederte Hubschrauber-Produktion.
In Donauwörth, dem größten Logistikzentrum der EADS-Tochtergesellschaft Eurocopter sichern seit zwei Jahren vier Kreis- und zwei Bandsägeanlagen sowie Schlagscheren den Teilenachschub für den Bau von Zivil- und Militärhubschraubern. Ein Blick auf die Bandbreite der installierten Sägemaschinen lässt darauf schließen, dass hier einerseits mit 100-Prozent-Auslastung nach einem festen Lieferzeitenmodell produziert wird, man aber andererseits, in terminkritischen Ausnahmesituationen hochflexibel und voll leistungsfähig ist, wenn es darauf ankommt.
„Innerhalb von drei Stunden müssen wir z.B. dynamische Komponenten für die Hubschrauberserien EC135 und EC 145 wie die Vierfachnuss oben/unten für den Hauptrotorkopf oder den Blattanschluss für den Heckrotorkopf bereit stellen können“, erläutert Robert Nisseler, Leiter der Technischen Planung der Fiege-Gruppe, einem Spezialisten für Industrielogistik und Betreiber des Donauwörther Zentrums. Damit eine ungeplante Unterbrechung der regulären Auftragsarbeiten keine Folgeverzögerungen für die laufende Hubschrauberproduktion im benachbarten Eurocopter-Werk mit sich bringt, ist perfekte Planung notwendig. „Wir müssen uns strikt an die Arbeitsfolgen halten und die Fertigungstermine punktgenau einhalten“, so Nisseler weiter. Und diese Planung beginnt unter anderem mit der Auswahl geeigneter Fertigungsmaschinen.
Die 25 Metallfacharbeiter der Firma Fiege bedienen sowohl manuelle Werkstattkreissägen, als auch komplexe Sägezentren, mit denen sie ein enormes Spektrum unterschiedlicher, sehr spezieller Materialien bearbeiten. Robert Nisseler erklärt: „Bei Teilen für den Flugzeugbau haben wir es mit ganz besonderen Materialzusammensetzungen zu tun, die beispielsweise säureresistent, hochfest oder hitzebeständig sind. Um die Qualität der Rohteile genau zu prüfen, schneiden wir von allen eingehenden Materialien Proben. Dafür ist uns eine kleine manuelle Werkstatt-Kreissäge vom Typ VMS 370 sehr nützlich.“ Sie ist ausgerüstet mit einem elektronischen Längenmesssystem bis 2 Metern und einer Rollenbahn, falls auch einmal ein längeres Teil auf Maß gesägt werden muss. Direkt daneben sind zwei Unterflurkreissägen des Modells PSU 450 in halb- sowie in vollautomatischer Ausführung angeordnet. „Beide können Vollmaterialien und Rohre sowie Profile bis 150 Millimetern Durchmesser trennen und sind mit je einer Zu- und Abfuhrrollenbahn inklusive sicherheitstechnischer Abdeckungen ausgestattet“, beschreibt Manfred Grüninger, Vertriebsleiter des Kreissägenherstellers Behringer Eisele in Weilheim, die Konfiguration.
„Mit dem Halbautomaten ergänzen wir einerseits die VMS beim Probensägen. Andererseits brauchen wir sie für kleine und mittlere Losgrößen“, ergänzt Nisseler. Der Kreissägeautomat PSU 450 A hat zufuhrseitig ein großes kettengetriebenes Flachmagazin. Wie die beiden anderen Kreissägen auch, steht er unmittelbar an dem vollautomatisierten Hochregal-Kassettenlager angebunden. „Sobald die Rohteile im Wareneingangsbereich kommissioniert und computergesteuert ins Lager eingeordnet sind, können sie über Terminals abgerufen und per Hallenkran der jeweiligen Sägeanlage zugeführt werden“, erklärt Walter Bechowsky, Zuschnittmeister in der Sägerei, den Durchlauf des Materials. Und ergänzt: „Der Automat trennt Lose zwischen 10 und 300 Stück im Bereich 10 bis 200 Millimeter rund, flach beziehungsweise Profilstahl.“ Wirtschaftlich betrachtet leistet die PSU 450A ein enormes Pensum. Mussten die Mitarbeiter zuvor während des Sägevorgangs anwesend sein, den Prozess überwachen, Material nachlegen und Fertigteile entnehmen, erledigt die Automatikfunktion der Anlage dies vollkommen selbsttätig und dank des Zufuhrmagazins bestückt sie sich sozusagen allein. Der Automatikzyklus spart Zeit und die Produktivität steigt – nicht zuletzt auch durch den durchdachten Materialfluss im Eurocopter-Logistikzentrum. Es ergibt sich eine äußerst effiziente Prozesskette: Vom Wareneingang über den Bearbeitungsvorgang, dem Abtransport zur Verladestation im innerbetrieblichen Bahnhof, bis zur Anlieferung beim Kunden. Auch an ausreichend Platz für große Sattelzüge wurde beim Bau der Logistikhalle gedacht, so dass alles Material reibungslos sein Ziel erreicht.
Grundsätzlich trennen die Sägeanlagen die unterschiedlichsten Eisen und NE-Metalle in größtenteils gut gehüteten Legierungen – außer Aluminium. Dieser Werkstoff ist jedoch gerade in der Luftfahrtindustrie unentbehrlich. „Weil es hier auf ein geringes spezifisches Gewicht, ankommt hat die Zerspanung von Alu bei uns einen hohen Stellenwert und wird in großen Mengen verarbeitet“, so Robert Nisseler. In Sachen wirtschaftlicher Zerspanung des als „schwierig“ geltenden Materials, habe es allerdings in den letzten Jahren einen Quantensprung gegeben, blickt er zurück. Gründe genug, in der Sägerei auf eine Spezialmaschine zu setzen, die dank perfekter Ausrichtung auf den Werkstoff optimale Ergebnisse liefert. „Die Aluminium-Kreissäge VA-L 560NC-HY hat einen enormen Schnittbereich und hartmetallbestückte Kreissägeblätter von bis zu 560 Millimetern Durchmesser. Ein NC-gesteuerter Stangennachschub mit Verfahrgeschwindigkeiten bis 800 Millimetern pro Sekunde sowie Antriebsleistungen bis 24 kW und Drehzahlen bis 3.500 Umdrehungen pro Minute. sorgen für Tempo und Kraft während des Sägeprozesses“, so Manfred Grüninger vom Sägenhersteller Behringer Eisele.
Für die Entsorgung der reichlich anfallenden Späne beim Zerspanen von Aluminium sorgen bis zu drei, an unterschiedlichen Stellen positionierte Absaugkanäle. In Verbindung mit einer leistungsstarken Absauganlage werden die Späne abgeführt und mittels einer Zellenradschleuse in einen Container geblasen. Die VA-L-Sägeanlage ist vor Ort mit einer Zufuhrrollenbahn und mit einem Transportband, das die gesägten Teile aus der Maschine entsorgt und sortiert, ausgerüstet. „Neben dem perfekten Schnittergebnis der Alusäge war uns bei der Menge an Material ein einfaches Handling genauso wichtig“, nennt Walter Bechowsky die Motivation, in eine Aluminiumkreissäge zu investieren. Dass auch dieses Modell vom Hersteller Behringer Eisele kommt, hat seinen Grund: „Mit unseren beiden älteren Behringer-Bandsägen aus den neunziger Jahren haben wir durchweg positive Erfahrungen gemacht“, erinnert sich Robert Nisseler. Natürlich sei es bei den Überlegungen zunächst um die Spezifikation der Anlagen gegangen, „wenn man aber einmal Vertrauen in Hersteller und Servicemitarbeiter hat, mag man sich ungern anders orientieren.“
Seit mittlerweile über zwölf Jahren trennt eine vertikale Blockbandsäge HBBS65/40 hauptsächlich Bleche und Platten ab sechs Millimetern Stärke und kann aufgrund des großen Materialauflagetisches von 3,2 mal 2,5 Metern auch Teile aufnehmen, die die übrigen Sägemaschinen nicht fassen. „Unsere zweite Bandsäge, die HBP303A, nutzen wir normalerweise nicht für Serien, sondern für Einzelschnitte mit besonderen Materialien wie Titan oder Titanlegierungen, wie sie in der Luft- und Raumfahrt üblich sind“, so Robert Nisseler. Sie fasst Rund-, Flach- und Vierkantmaterial sowie Profile von sechs bis 240 Millimetern Durchmesser. Wegen ihrer umfangreichen Automatisierung mit Flachmagazin, Querförderer, Sortiereinrichtung, Kipptisch und vielem mehr bietet sie eine Menge Potenzial für zahlreiche Aufgaben. „Da wir immer wieder mit Material konfrontiert werden, an dessen Zerspanung wir uns selbst erst herantasten müssen, haben wir mit den Behringer-Maschinen jetzt eine ideale Auswahl zur Verfügung“, fasst Robert Nisseler zusammen.
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