Unterhaltung im Himmel wie auf Erden
Mit ihrem In-fllight Entertainment-(IFE)-Angebot werden sich die Airlines in den kommenden Jahren zunehmend differenzieren. Fest steht jedoch: Die Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten werden sich den normalen Gegebenheiten in Büro und privatem Umfeld annähern.
Die zukünftige Entwicklung im Bereich IFE wird von Airline zu Airline sehr unterschiedlich ausfallen und im Wesentlichen Kurz- und Mittelstrecken betreffen. “Bei den Mittelstrecken wird in den USA Overhead–Entertainment aus Kostengründen bei einigen Airlines ausgebaut”, berichtet Dr. Gerko Wende aus dem Bereich Innovation von Lufthansa Technik. “Dagegen bietet etwa Ryanair Mobiltelefonie schon bei Kurz- und Mittelstrecken an.” Bei Langstrecken-Flugzeugen wird sich seiner Meinung nach an den grundsätzlichen Funktionen des IFE wenig ändern, nur sollte hier besonders auch die Internet-Anbindung und die Einführung von High Definition Video eine Rolle spielen.
Natürlich kann man das IFE-Angebot noch verbessern. Hier wird sich mit Hilfe der Gigabit-Ethernet-Technologie die Datenübertragung kabelgebundener IFE/CMS Netzwerke deutlich erhöhen. “In Lang- und Mittelstreckenflugzeugen sind bereits Netzwerke des 1000BaseT-Standards mit Kupferkabeln verfügbar und installiert. Es werden hier aber auch zunehmend Glasfasernetzwerke der 1000Base-SX/LX Standards eingesetzt”, fasst Gerko Wende zusammen. Dazu bekommen zukünftige Flugzeuge noch drahtlose WLAN-Netzwerke des Standards IEEE-802.11n dazu, das Datenübertragungsraten bis 300 Mb pro Sekunde zulässt. Das verbessert nicht nur die übermittelte Datenrate sondern auch deren Qualität. “Dieser Standard nutzt auch den 5 GHz Bereich, ist jedoch noch nicht für die Luftfahrt zugelassen. Eine Zulassung durch die FAA und die EASA wird aber für dieses Jahr erwartet”, so Gerko Wende. Gegenüber dem gängigeren 2,4 GHz-Band hat das 5 GHz-Band eine geringere Reichweite durch die stärkere Dämpfung in Luft, was auf der Erdoberfläche ein Nachteil ist, aber bei den relativ geringen Abmessungen der Flugzeugkabine nicht stört.
Mit diesen Technologien dürfte der Datenaustausch innerhalb der Kabine bestens funktionieren, aber diese Datenmenge muss ja erst einmal ins Flugzeug und dann wieder auf den Erdboden gelangen und das kostet. “WLANs kann der Hotelgast kostenfrei nutzen, für Flatrates zahlt der Benutzer auf dem Erdboden wenig, fragt sich was der Passagier für diesen Service an Bord bereit ist zu zahlen”, bringt Patrick Brannelly, Vorstand von WAEA (World Airline Entertainment Association) das Problem auf den Punkt. Und an dem Faktor Kundenzufriedenheit kommt keine Airline vorbei, nur so lassen sich erfolgreich Plätze verkaufen. Die Passagiere sind gewohnt, im Alltag Internet und Handies kostengünstig zu benutzen und wollen das natürlich auch im Flugzeug tun ohne dafür noch große Beträge zusätzlich bezahlen zu müssen. DaveVernon, Direktor Airline Marketing bei Rockwell Collins vermutet, dass es die Passagiere der Premiumklassen eigentlich zunehmend voraussetzen, von den Airlines IFE in Zusammenhang mit der Nutzung der eigenen Geräte angeboten zu bekommen.
Aber dieses Angleichen von Boden und Luft wird nicht alle Bereiche in gleichem Ausmaß betreffen. So kommt bei der Lufthansa Technik HD-Video in absehbarer Zeit. Dagegen ist HD im Flugzeug für Patrick Brannelly eigentlich kein Thema. “Bei den kleinen Monitoren ist der Unterschied zwischen Konventionellem und HD nicht so markant. Außerdem hat der Übergang von analogen Filmen zu den digitalen Mediafiles schon eine sehr viel besser Qualität gebracht”, so Patrick Branelly.
Seit etwa zwei Jahren steht über Nordamerika das bodengebundene Aircell-System zur Verfügung. Ab Mitte des Jahres will die Lufthansa wieder das satellitenbasierte FlyNet anbieten, dieses Mal mit Panasonic als Partner. Die Lufthansa setzt schon länger auf satellitenbasierte Systeme, leider stellte Connexion by Boeing 2007 den Betrieb ein. Zu diesem Zeitpunkt war in knapp 70 Maschinen die nötige Technik installiert und etwa 30000 Passagiere nutzten das Angebot pro Monat.
Um das IFE-Angebot an Bord zu erweitern hat Rockwell Collins vor kurzem den Prototypen einer 3D –interaktiven, sich bewegenden Karte demonstriert. Diese ‘Airshow Interactive 3D’ ermöglicht unter anderem die Wahl mutipler 3D-Karten-Ansichten und Informationen zum Status des Flugs.
Eigentlich lohnt sich der IFE-Systemaufwand bei Mittelstreckenflügen nicht, entsprechend reduziert ist das IFE-Angebot auch in den Mittelstrecken-Flugzeugen in Europa. Aber das soll sich in Zukunft ändern. “Rund 70 Prozent der Passagiere haben einen eigenen Laptop dabei, das bringt kein zusätzliches Gewicht und die Passagiere sind mit der Bedienung vertraut, die Crew muss also nichts erklären. Das einzige was fehlt ist der Server”, so Mark Janssen von Inflight TV International. Die Geräte an Bord sollten um die zehn Jahre funktionieren, deshalb kann keine Fluggesellschaft mit der Consumer-Elektronik der Passagiere konkurrieren. “Ein Server hat dieses Problem nicht, der kann 10 Jahre bleiben”, fasst Mark Janssen zusammen. Der neue Dedicated Server kann 250 Passagiere gleichzeitig versorgen. Außerdem ist ein LCD-Display mit Verkabelung im Sitz schwer und teuer und liefert mit nur neun Zoll Bilddiagonale ein recht kleines Bild. Die Bilddiagonale gängiger Laptops beträgt in der Regel 15 bis 17 Zoll bei meist besserer Bildqualität.
Damit die Passagiere in möglichst vollem Umfang ihre elektronischen Begleiter über ein WLAN nutzen können, muss man den Datentransfer beherrschen. Wenn in einem WLAN zu einem Zeitpunkt viele Nutzer gleichzeitig auf den Server zugreifen, dann können sie sich gegenseitig blockieren. Der Trick ist hier, nur soviel zu übermitteln wie nötig, damit entsteht dann der Datenstau erst gar nicht. Smooth streaming heißt das Stichwort. Der neue Server stellt hier fest welche Bitrate der Laptop des Passagiers verdauen kann und sendet dann nur was nötig ist.
Patrick Brannelly’s Vision der nächsten Jahr ist klar: “Flugzeug und ‘Boden’ werden sich immer mehr angleichen, damit der Passagier seine Geräte hier wie da voll nutzen kann.” Die Airline muss dabei die Dateninfrastruktur garantieren, für die schnell wechselnde elektronische Peripherie sorgen die Passagiere. “Verbesserte Datenverarbeitung, der Einsatz von Netzwerken und effizientere Datenspeicherung erlauben immer kleinere Systeme an Bord, die leichter sind und weniger Strom verbrauchen”, fügt Dave Vernon hinzu. Seiner Meinung nach wird IFE für die Airlines auch als Teil der Marketing- und Brandingstrategie immer wichtiger.
Barbara Stumpp
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