Wird der Balance – Akt gelingen?
Wer einen Vertreter finden will, der immer noch vollen Optimismus ausstrahlt und kaum den Hauch eines Zweifels, der muss eigentlich auch nicht lange suchen. Denn es gibt in der Luftfahrtbranche einen, auf den ist auch in unsicheren Zeiten immer Verlass. John Leahy, Verkaufschef beim Flugzeughersteller Airbus, kann das ganze Gerede äußerlich nichts anhaben. Subprime-Kreditkrise? „Die Leute erkennen jetzt, dass Flugzeuge eine sicherere Anlage sind als Einfamilienhäuser in Kentucky.“ Mag sein, aber was, wenn jetzt massenweise Airlines Pleite gehen, wie viele befürchten? „Dann sind wir eben in der Produktion ein bisschen weniger überbucht.“
Dass Leahy von Berufswegen Optimist ist, weiß auch der interessierte Laie spätestens seit jenem Jahr 2005, da der Airbus-Verkaufschef eine ziemlich wenig modernisierte Variante des Langstreckenjets A330 als das Nonplusultra der Zukunft hinstellte. Das Flugzeug wurde mittlerweile bekanntlich mindestens dreimal überarbeitet und hat nun fast gar nichts mehr gemeinsam mit dem Entwurf, den Leahy vor drei Jahren begeistert präsentierte. Es heißt mittlerweile A350XWB und soll im Jahr 2013 ausgeliefert werden, ein paar Jahre später als ursprünglich einmal geplant.
Dass die Lage der Luftfahrtindustrie nicht ganz so rosig ist, wie von Leahy ausgemalt, lässt sich also anhand der A330-Schwärmereien durchaus schnell schließen. Unwahrscheinlich ist auch, dass die Flugzeughersteller vor einem großen schwarzen Loch stehen, in das sie fallen werden. Schließlich haben Airbus und Boeing mit jeweils 3600 festen Aufträgen im Bestand genug Arbeit für die nächsten sieben Jahre. Dennoch mischt sich in die Wachstumseuphorie, die die rekordverdächtigen Auftragseingänge der vergangenen drei Jahre bei beiden ausgelöst hat, so ein ungutes Gefühl, ob das wirklich alles so kommen wird, wie es in den Verträgen steht. Schließlich sprechen die Rahmenbedingungen dafür, dass sich der Boom dem Ende nähert. Der Ölpreis hat mittlerweile Höhen erreicht, die noch vor wenigen Monaten außerhalb jeder Vorstellungskraft waren.
Der schwache US-Dollar hinterlässt tiefe Spuren bei der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrtindustrie. Die internationale Bankenkrise trifft den Sektor ebenfalls: Kaum eine größere Transaktion lässt sich derzeit finanzieren, überall warten Investoren und expansionswillige Unternehmen darauf, dass dem internationalen Finanzgeschehen wieder Geld zur Verfügung steht. Eine gefährliche Gemengelage hat sich zusammengebraut. Und immerhin so sehr, dass Airbus-Chef Thomas Enders warnt, es gebe „in der Tat einige dunkle Wolken am Horizont für die Luftfahrt.“ Und: „Wir sehen, dass der hohe Ölpreis und insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in den USA sehr signifikante Konsequenzen haben“, so Enders.
Das Bewusstsein, dass die erste Jahreshälfte 2008 noch die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein könnte, ist also vorhanden. Denn: „Es ist unmöglich, die Bedeutung dessen zu überschätzen, was sich derzeit auf dem Energiemarkt tut“, glaubt Gary Chase, Analyst bei der Investmentbank Lehman Brothers. Eine normale wirtschaftliche Rezession, wie sie knapp alle zehn Jahre passieren kann, hat auf die Airlines dieselben Auswirkungen, wie ein um acht Dollar steigender Ölpreis, hat Chase errechnet. „In den vergangenen Monaten ist Öl aber um 40 Dollar teurer geworden.“
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