Zulieferer: Keine Angst vor der Zertifizierung
Vor den Eintritt in den Markt der Luftfahrtzulieferer haben die Götter der Bürokratie die Zertifizierungsprozedur für die Lufttüchtigkeit gesetzt. Für einen möglichst effizienten Weg hin zur sogenannten Airworthiness Certification (AWC) raten Experten, fachmännische Begleitung anzuheuern. Joachim Lau, Geschäftsführer eines Altran-Unternehmens und Deutschlandsprecher vom „Aerospace, Security and Defence international Team” (ASD) von Altran, sagte aerotec-Redakteur Christian Klein, was man davon hat.
Warum sollten sich Unternehmen auf dem Weg zur AWC einen erfahrenen Partner suchen? Erfahrungsgemäß kostet es die Unternehmen sehr viel Zeit und Geld, das notwendige Know-how eigenständig aufzubauen. Ein Partner mit einschlägiger Erfahrung verkürzt diesen Prozess enorm. Die Vorschriften sind wie alle Vorschriften auslegungsfähig und die Behörden können an der Stelle keine Beratung leisten. Sie müssen bei den Antragstellern entsprechende und sehr spezielle Erfahrung voraussetzen, welche aber meist nicht vorhanden ist. Genau hierfür haben wir unser Angebot entwickelt, welches wir in dieser Allumfassenheit (alle ATA-Kapitel) als einziges Unternehmen weltweit anbieten.
Lässt sich die Prozedur nicht auch in Eigenregie bewältigen? Natürlich kann man das versuchen, allerdings sollte man das nur tun, wenn man sehr versierte AWC-Experten im Hause hat. Andernfalls braucht es deutlich mehr Zeit und damit entstehen natürlich auch wesentlich mehr Kosten. Jederzeit besteht außerdem die Gefahr, dass man mit dem Zulassungsverfahren scheitert, wenn möglicherweise das Produkt den Anforderungen nicht genügt oder die Expertise im eigenen Hause nicht ausreichend ist. Insbesondere auch für bislang branchenfremde Unternehmen, die in die Luftfahrtzuliefer-Industrie einsteigen wollen, ist unser Angebot sehr attraktiv. Das wurde uns durch das riesige Interesse von verschiedensten Seiten auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin und zuletzt auf der AIE in Hamburg erneut bestätigt.
Altran spricht von “langjähriger Expertise”. Was heißt das genau? Wir und unsere Partner sind bei fast allen Europäischen und einigen FAA General Aviation „Type Certifications” (TC) und „Supplemental Type Certifications” (STC) in über 70 Fällen beteiligt gewesen, größtenteils in entscheidender Funktion. Beispielsweise beim „Compliance Verification Engineer” (CVE) meist für elektrische und nicht-elektrische Systeme sowie Avionik und Strukturnachweise oder im „Office of Airworthiness”. Derzeit arbeiten wir unter Anderem an der Kabinen-Beleuchtung und Bord-Entertainment für einen großen Luftfahrt-OEM, an der Integrierung von Triebwerken und des Tanksystems für einen anderen Hersteller sowie an Nachweisen im Bereich von Primär-Struktur in Composite-Bauweise.
Ferner werden auch unsere Schulungsangebote von Schlüsselpersonal im Bereich von Luftrecht und Zulassungsprozeduren gerne und häufig in Anspruch genommen, und zwar von namhaften Firmen im In- und Ausland.
Wie lange dauert ein AWC-Prozess im Durchschnitt? Zu unterscheiden wären hier einmal die Type Certifications und zum anderen die SupplementalType Certifications. Die Dauer des AWC-Prozesses hängt von der fachlichen Kompetenz des Entwicklungsbetriebes und der Komplexität des Projektes ab. Bei der TC muss man mit 2-3 Jahren rechnen, bei der STC mit 2-6 Monaten. Aus Erfahrung kann gesagt werden, dass ein Unternehmen unter Mitwirkung von ALTRAN etwa die Hälfte der sonst üblichen Zeit und Kosten einspart.
Gibt es eine Erfolgsgarantie? Wir prüfen die Produkte, mit denen ein Anbieter in die Luftfahrt will, zunächst sehr sorgfältig auf Herz und Nieren hinsichtlich der Umsetzung der Behördenanforderungen und der wirtschaftlichen Machbarkeit. Wenn diese Analyse ein positives Ergebnis erbracht hat, dann können wir tatsächlich eine Erfolgsgarantie geben. Wir stellen dem Kunden vorab alle Fragen, die später die Zertifizierungsbehörde stellen wird, und kennen auch die Denkweise und die Erwartungen der Behörde sehr genau. Allerdings mussten wir auch schon konkret vom AWC-Prozess abraten, da eine Zertifizierung aussichtslos erschien. Doch sogar in einem solchen Fall ist unsere Beratung wertvoll, da dadurch sinnlose Investitionen verhindert werden können.
Wie lange gilt die Zertifizierung? Diese gilt, solange das Produkt (product), Teil (part) oder die Anwendung (appliance) durch genehmigte und genau definierte Maßnahmen für „continued airworthiness” in lufttüchtigem Zustand gehalten werden kann. Also in anderen Worten, solange es Ersatzteile gibt und es Betriebe gibt, die die Wartung und Instandsetzung durchführen dürfen und können.
Lässt sich der Prozess abkürzen, wenn bereits andere Zertifikate vorliegen wie beispielsweise VDA, ISO 9000 ff ? Das ist nicht zwingend der Fall. Für die Zertifizierung muss ein spezielles AWC-Handbuch mit ganz eigenen Anforderungen angelegt werden. Manchmal kann aber dort auf ein schon vorhandenes Qualitätsmanagement-System oder Handbuch durch Querverweise hingewiesen werden, was häufig Zeit spart.
Wie kann man ein „Supply Chain Airworthiness Management” sicherstellen, wenn sogar ein Big Player wie Boeing damit Probleme hat? Die genauen Probleme bei Boeing sind uns nicht bekannt, dementsprechend können und wollen wir uns dazu nicht äußern. Grundsätzlich gilt: Der große Vorteil einer Supply Chain Qualification liegt darin, dass der OEM Zeit und Geld spart, da er bereits zugelassene Teile bekommt.
Was kann man aus dem “Fall Boeing” und den Problemen mit der Fertigung des Dreamliner lernen? Das kann man schwer auf das europäische System beziehen, da die Gesetzgebung hier anders ist – z.B. ist hierzulande die Delegation der Verantwortung von der Behörde an die zertifizierten Betriebe üblich. Es ist von außen betrachtet unmöglich zu sagen, was bei Boeing aus AWC-Sicht schief gelaufen ist.
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